Gesundheitsmarkt – Aktuelle Trends
Ein Arzt, eine Ärztin oder eine Einrichtung, der / die sich nicht mit der gegenwärtigen Situation im Gesundheitswesen auseinandersetzt, wird über kurz oder lang vor erheblichen fachlichen und wirtschaftlichen Problemen stehen. Der schnelle Wandel im Gesundheitswesen stellt alle Beteiligten vor immer mehr und neue Herausforderungen. Die Rahmenbedingungen für alle Beteiligten sind geprägt durch neue gesetzliche und ökonomische Regelungen sowie politische Vorgaben. In anderen Wirtschaftszweigen bereits etablierte Elemente, wie Marketing und Qualitätsmanagement durchdringen auch verstärkt den Medizinmarkt. Aus der einst wettbewerbsfreien Zone ist ein Markt geworden, der sich zunehmend über Angebot und Nachfrage reguliert.
Mit dem neuen Vertragsarztänderungsgesetz zum Beispiel haben sich für Ärzte neue Möglichkeiten eröffnet, die die Zusammenarbeit von Ärzten stark erweitern: Filialisierungschancen, überörtliche Berufsausübungsgemeinschaften sowie die Anstellung von anderen Ärzten. Die noch nach der Vereinigung belächelten „Polikliniken“ etablieren sich in hohem Tempo als „Medizinische Versorgungszentren“ (MVZs) neu und der Arbeitsalltag der Ärzte hat sich aufgrund der markt- und gesundheitspolitischen Maßnahmen rapide verändert.
In anderen Wirtschaftszweigen etablierte Elemente wachsen in den Medizinmarkt hinein, wie etwa das Franchising. Welche Modelle sind denkbar und lassen sich mit dem freien Arztberuf vereinbaren?
In der einst wettbewerbsfernen Zone des Gesundheitsmarktes wachsen weiter die Wettbewerbskomponenten. Die öffentlich-rechlich kanalisierten Geldflüsse könnten ihre Dominanz verlieren, Ärzte konkurrieren um Selbstzahler und finden sich nun auch mit Marketingfragen konfrontiert. Parallel sind in jüngster Zeit ganz neue Medienangebote entstanden, deren Fundierung, inhaltlicher Wert, Wirkung für die Patienten wie auch Ärzte noch unklar sind: Plötzlich können Patienten im Internet (willkürlich) Ärzte bewerten – im Guten oder Schlechten.
Fallen Pharmareferenten den niedergelassenen Ärzten wirklich zur Last, so wie gängiges Gerede es vermuten lassen könnte - oder aber ist dieser Vertriebsweg so professionalisiert, dass die (niedergelassenen oder in der Klinik angestellten) Ärzte gar ein Nutzwert spüren?
Über die Hälfte der niedergelassenen Ärzte (53,6%) verfügt über eine Praxishomepage – vielfach jedoch rechtlich und vom Auftritt her nicht den heutigen Ansprüchen und technischen Möglichkeiten entsprechend.
Bei einer repräsentativen Befragung der „Stiftung Gesundheit“, Hamburg gab ein Großteil der niedergelassenen Ärzten (60%) Marketing als eine wichtige Sache an. Im Widerspruch dazu steht die Tatsache, dass 87% der befragten Ärzte kein Marketing-Budget für 2008 festgelegt haben. Hieraus wird deutlich, dass die Einsicht, Marketing als positiv zu beurteilen, nicht unbedingt konform mit der gezielten Umsetzung geht. Auf der anderen Seite ist aber zu sagen, dass die Nichtfestlegung eines Marketingbudgets nicht zwangsläufig der Grund sein kann, kein Marketing in der Praxis zu betreiben. Beim Werbebudget ist keine klare Richtung zu erkennen. Dieses schwankt zwischen 200€ und 40.000€ und liegt im Schnitt bei 3000€. Bezüglich der drei wichtigsten Marketingmaßnahmen ist eindeutig eine Meinungsdifferenz zwischen Frauen und Männern festzustellen. Die Frauen setzen neben Praxiserscheinung und Personal vor allem auf die traditionellen Visitenkarten als Marketingmaßnahme, die Männer dagegen sehen die Praxis-Homepage als immerhin drittwichtigste Maßnahme an.













